Alles nur Hexenwerk? – Macbeth-Inszenierung des Q1-Theaterkurses
In diese Welt dringt keiner ungeschoren vor! Schwarz ist die Farbe. Dunkel das Licht. Geräusch und Getön vom Gebrüll bis zur entrückten Melodie. Und dann die Worte – schicksalshaft aus ferner Zeit. Ein doppelter, gewagter Sprung in die Vergangenheit.
In diese Welt ist der Theaterkurs der Q1 unter der Leitung von Abel Halbach vorgedrungen. Zunächst zurück zu William Shakespeare, dem Theatergiganten (und dann gleich „Macbeth“ – neben „Hamlet“ und „Romeo und Julia“ sein bekanntestes Stück). Im zweiten Schritt zurück ins schottische Frühmittelalter. Das ist ein weiter Weg, und doch hat die Truppe um den erfahrenen Theaterpädagogen einen gangbaren Pfad gefunden. Sie haben die Qualitäten des Stückes erfasst und sie sich geschickt zu eigen gemacht:
Da wäre zum einen das Stück als ein Text über Diktatur und Machtmissbrauch. Im Zentrum hier der machthungrige Macbeth, der zu Beginn noch als Freund und Waffenbruder des Banquo auftritt, dann aber Schritt für Schritt von Machthunger und Skrupellosigkeit ergriffen wird und am Ende nicht mehr Herr über sich selbst und seine dunkelsten Triebe ist. Die teils historisierende Kostümierung half den Zuschauern, den Sprung in die Vergangenheit zu tun. In der extrem sparsam ausgestatteten Bühne reichten ein Umhang, ein Schwert, ein grobes Hemd oder ein brokatbestickter Mantel und schon fand man sich am Hofe der Königin Duncan wieder.
Da wäre zum zweiten das Stück als ein gespenstisches Spiel, das in die Hexenwelt des Aberglaubens führt, aber auch in die Dunkelheit des menschlichen Unbewussten – beides Kräfte, die das Schicksal des Menschen leiten, verleiten, packen und in die Verdammnis werfen können. Eindrucksvoll konnte man den drei Hexen als unheimliche, schwer greifbare Gestalten zusehen, wie sie von Beginn an eine Atmosphäre der Bedrohung erzeugten. Mit ihrer fremdartigen Sprache, ihren rätselhaften Prophezeiungen und ihrem oft gleichförmigen, fast beschwörenden Sprechen wirkten sie wie Wesen außerhalb der normalen Ordnung. In diesen Szenen schufen eindrucksvolle Licht- und Soundregie die passende Atmosphäre für das verführerische und gleichzeitig zerstörerische Spiel der drei Gestalten. Kongenial begleitet wurden sie von ihren wesensverwandten Geistern in Gestalt der Tänzerinnen des Tanztheaterkurses von Michaela Westphal-Hamdoun.
Und da wäre zum dritten das düstere Schuld- und Gewissendrama. Besonders im Fokus hier Lady Macbeth, deren Seele den tiefsten Wandel, die größte Verformung durchmacht. Nicht umsonst zitiert der Programm-Flyer den Satz „Fort, verdammter Fleck!“, konnte man doch einer nuanciert verkörperten Lady Macbeth zusehen, wie sie von einer stolzen Mitherrscherin zur bedauernswerten Kreatur wird, die an der eigenen Schuld zugrunde geht. Aber auch bis in die Nebenrollen hinein traten einem die Charaktere authentisch entgegen: Banquo als treuer Freund bis in den Tod, Malcom als Verkörperung der legitimen Ordnung, Rosse bzw. Lennox als geistesgegenwärtiger Beobachter und Kritiker oder Macduff in seiner tiefen Trauer und seinem rachegetränkten Zorn.
Das alles wurde in passendes Licht getaucht und von passendem Sound begleitet von einem hoch professionell agierenden Bühnentechnikteam unter der Leitung von Tim Urban.
Nein, eine solche Macbeth-Inszenierung ist kein Hexenwerk, sondern ein ganzes Jahr kreativer Herausforderung und harter (Text)Arbeit, die sich dann auf der Bühne als überzeugendes Beispiel für gelungenes Schultheater bezahlt macht.