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Informationen zum Fach Erziehungswissenschaften (Oberstufe)

"Die Erziehung ist das größte Problem und das Schwierigste,

was dem Menschen kann aufgegeben werden."

Immanuel Kant

Habe Mut zu dir selbst, und suche deinen eigenen Weg. Erkenne dich selbst, bevor du Kinder zu erkennen trachtest. Leg dir Rechenschaft darüber ab, wo deine Fähigkeiten liegen, bevor du damit beginnst, Kindern den Bereich ihrer Rechte abzustecken. Unter ihnen allen bist du selbst ein Kind, das du zunächst einmal erkennen, erziehen und ausbilden musst."        Janusz Korczak

Bild: Ingrid Tordy

 

Das Fach Erziehungswissenschaft ist ein besonderes Fach. Als Bildungsfach vermittelt es nicht nur pädagogisches Wissen, sondern macht pädagogische Bildung selbst zum Unterrichtsgegenstand.

Als wissenschafts- sowie handlungspropädeutisches Fach vermittelt es nicht nur theoretisches Wissen, sondern initiiert die kritische Auseinandersetzung mit erzieherischen Handlungen. Dabei ist nicht nur die Erziehung von Kindern, sondern auch der Umgang mit Menschen im privaten und öffentlichen Raum Gegenstand der Reflexion und Beurteilung.

Einführungsphase (EF)

1. Halbjahr

Was ist Erziehung?

Ausgehend von Ihrem Vorwissen erarbeiten wir eine ersten Definition von „Erziehung“. Diese Definition überprüfen wir anhand von konkreten Erziehungssituationen (u. a. in Filmen und Fallbeispielen) und klären dabei die Frage: Inwieweit ist der Mensch erziehungsbedürftig bzw. erziehungsfähig?

Die Analyse von Erziehungssituationen in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten leitet über zu der Auseinandersetzung mit Erziehungszielen in verschiedenen historischen und kulturellen Kontexten.

Die Grundlage für eine gelingende Erziehung ist ein klar definiertes pädagogisches Verhältnis des Erziehenden zum Zu-Erziehenden. Auf dieser Basis werden Erziehungsziele und Erziehungsstile festgelegt, im Hinblick auf Zielsetzung und Erfolg analysiert, reflektiert und beurteilt.

Auf dem Weg zu einem zunehmend professionelleren Verständnis von Erziehung setzen wir uns mit den entsprechenden Theorien auseinander und überprüfen die erworbenen Kenntnisse u. a. im Rollenspiel und anhand von Filmmaterial.

 

2. Halbjahr

Als Schüler wissen Sie genau: Der Mensch ist lernfähig. Ist er auch lernbedürftig? An Ihrer eigenen Lernbiographie anknüpfend, beantworten wir die Frage, wie überhaupt gelernt wird. Antwort geben verschiedene Lerntheorien (u. a. des Behaviorismus', Kognitivismus', der Hirnforschung), die die Basis für pädagogische Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Frage geben: Inwieweit sind diese Kenntnisse nutzbar, um Lernprozesse für den Einzelnen/ für die Gruppe/ für sich selbst optimal zu gestalten? Welche Rolle spielen dabei Selbststeuerung und Selbstverantwortung?

 

Qualifikationsphase (Q1)

1. Halbjahr

In der Q 1 (1) untersuchen wir die Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen theoretischen Perspektiven. Psychoanalytische Betrachtungen zur Entwicklung und die sozialpsychologische Perspektive Eriksons finden dabei genauso Beachtung wie soziologische Überlegungen, inwiefern Identitätsentwicklung etwas mit dem Erlernen sozialer Rollen zu tun hat. Die Wechselbeziehung von Entwicklung, Sozialisation und Erziehung bildet bei diesen Betrachtungen den inhaltlichen Schwerpunkt. Diese wird u. a. an Beispielen im Rahmen der Untersuchung kognitiver Entwicklungsprozesse nach Piaget und der Entwicklung der moralischen Urteilskompetenz nach Kohlberg veranschaulicht.

Im Leistungskurs werden zudem vergleichende Untersuchungen theoretischer Annahmen eine Rolle spielen, so   z. B. im Hinblick auf die Bedeutung des Spiels nach Mead und Schäfer.

 

2. Halbjahr

In der Q 1 (2) stehen Fragen zu Entstehensbedingungen, Ursachen und Maßnahmen pädagogischer Förderung hinsichtlich unzureichender Identitätsprozesse im Jugend- und Erwachsenenalter im Vordergrund, so z. B. im Zusammenhang mit Ausdrucksformen der Gewalt. Hier spielt die Wechselbeziehung vom Streben nach Autonomie und dem Aufbau sozialverantwortlicher Handlungskompetenz eine zentrale Rolle.

Hierzu werden Entwicklungsaufgaben des Jugendalters und die Möglichkeiten und Grenzen einer produktiven Verarbeitung innerer und äußerer Realitätserfahrungen nach Hurrelmann untersucht und im Hinblick auf Gefahren der Identitätsdiffusion i. S. Eriksons beleuchtet. Diese Untersuchungen umfassen auch Gefährdungen, die durch die Nutzung sozialer Netzwerke bedingt sind.

Im Leistungskurs wird zudem die Bedeutung der Familie im Kontext unzureichender Identitätsprozesse Berücksichtigung finden. Hier ist insbesondere die systemische Sicht auf Familie relevant.

Qualifikationsphase (Q2)

1. Halbjahr

In diesem Halbjahr geht es dann weiter mit den Fragen nach Werten, Normen und Zielen in Erziehung und Bildung. Erziehung findet immer in einem historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontext statt – in diesem Zusammenhang steht zum Beispiel die Auseinandersetzung mit der Erziehung im Nationalsozialismus und ihren Auswirkungen, aber auch mit reformpädagogischen Ansätzen wie der Montessoripädagogik. Den Blick auf die Veränderungen der Erziehungsziele und der Erziehungspraxis in der BRD von 1949 bis zu Wiedervereinigung und Aspekte der interkulturellen Erziehung und Bildung bestimmen das Halbjahr und damit die Frage danach, wie Heranwachsende in einer modernen und demokratischen Gesellschaft in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt werden können. Letzteres auch, indem wir uns mit der Schule als Ort des Demokratielernens beschäftigen.

Im Leistungskurs wird zusätzlich die Entwicklung von der Ausländerpädagogik hin zur interkulturellen Bildung behandelt.

 

2. Halbjahr

Das Thema „Schule“ begleitet uns auch im zweiten Halbjahr, wenn es um die Institutionalisierung von Erziehung geht. Es werden die Aufgaben der Schule ebenso besprochen wie der mögliche Bildungsmehrwert von Vorschuleinrichtungen (Kindertagesstätten). Dabei soll auch aufgezeigt werden, wie vielfältig und wandelbar pädagogische Berufsfelder sind. Im Mittelpunkt des Schuljahres steht die Frage, wie Erziehung und Bildung in einer demokratischen Gesellschaft Heranwachsende dabei unterstützen können, das eigene Leben mündig und in sozialer Verantwortung zu gestalten. Daher wird der Bildungsbegriff eine zentrale Rolle spielen.

Im Leistungskurs werden darüber hinaus Maßnahmen der Schulentwicklung im Anschluss an internationale Vergleichsstudien (PISA) besprochen.

 

Informationen zum Fach Medienpädagogik (Stufe 8 und 9)

Im Fach Medienpädagogik werdet ihr euch mit verschiedenen Themen auseinandersetzen, die mit neuen und alten Medien verbunden sind und ihre erzieherische Wirkung untersuchen.

 

So werden zum Beispiel Themen in den Blick genommen,

  • die mit den sog. „neuen“ Medien zusammenhängen. Zum Beispiel, wenn wir uns mit „Computerspielen, Spielsucht, Spielzeug“, „Handygewalt (Happy Slapping)“ oder dem „Verhalten in den sozialen Netzwerken“ beschäftigen. Weitere Themen in diesem Zusammenhang sind auch die „Kommunikation in der Werbung“ oder die Auseinandersetzung mit der Frage, inwiefern sich die Nutzung der Medien bei Jungen und Mädchen unterscheidet.

 

  • Aber auch „klassische“ Medien können Thema werden: Die Auseinandersetzung mit Bilderbüchern und die Erstellung eines eigenen Bilderbuches war z.B. in den letzten Jahren ein beliebtes Projekt am Ende der Klasse 8.

 

  • Im Zusammenhang mit dem Fernsehverhalten beschäftigt ihr euch mit der Frage, wann „Realität“ hier nur vorgespielt wird („scripted Reality“). Eine weitere Möglichkeit ist es, Formate wie GNTM auf ihre Folgen für das Körperbild junger Mädchen zu hinterfragen.

 

  • Medien spielen auch eine Rolle, wenn wir die Unterrichtsergebnisse sichern, z.B. wenn ihr zum Thema „Umgang mit dem Handy“ am Computer einen Flyer entwerft, ein kurzes Video erstellt oder auch eine Fotogeschichte konzipiert.  

Dabei ist die Beschäftigung mit diesen Themen – an deren Auswahl ihr euch beteiligen könnt -  kein Selbstzweck. Die Verbindung mit dem Fach Pädagogik führt dazu, dass wir immer schauen, welche Folgen der Umgang mit den Medien für die Persönlichkeitsentwicklung hat – oder haben sollte! So werden zum Beispiel in dem Flyer zum Thema „Umgang mit dem Handy“ oder auch bei der Beschäftigung mit dem Thema „Cybermobbing“ immer Tipps für einen verantwortungsvollen Umgang gegeben oder wie man sich Hilfe suchen kann. So ergibt sich die erzieherische Dimension in der Auseinandersetzung mit den Medien.

„Medienpädagogik“ ist also ein Fach, das an eurer Lebenswirklichkeit ansetzt – mit dem Ziel eines reflektierter(en) Umgangs mit Medien und deren aktiver, kritischer und kreativer Nutzung.

Aktuelles

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